Rumfordöfen in Rüdersdorf bei Berlin
 
Der aktute Holzmangel im Umfeld von Berlin führte dazu, daß in Rüdersdorf um 1800 mit neuen Brennöfen experimentiert wurde. Neben der Reduktion der Brennstoffmenge ging es bei den Versuchen um die Nutzung von Torf als billigeres Brennmaterial. Aber auch die Versuche mit Trichteröfen, die erstmals in England und Holland genutzt wurden, brachten nicht den erhofften Erfolg.
 
Das preußische Bergwerksdepartemant befahl 1802 einen sogenannten rumfordschen konischen Kalkofen mit drei Feuerungen und eben so vielen Kalkzügen versuchsweise zu bauen und mit Torf betreiben zu lassen. Dieser Ofen war 11 m hoch, die Gichtöfnung hatte einen Durchmesser von 2,19 m. Das Fassungsvermögen betrug ca. 11,5 bis 12 Klafter rohen Kalkes. Die Feuerstellen und Kalkzüge wurden durch eine Holzkonstruktion überdacht. Die Beschickung mit Kalk erfolgte per Haspel und Winde.
Dieser Ofen blieb bis 1817 in Betrieb.
 
1804 wurde dann ein fünfschüriger Kalkofen am Mühlenfließ gebaut, der zum Prototypen aller nachfolgenden Rumford'schen Kalköfen in Deutschland wurde. Die Kalkzüge und die Feuerstellen waren anfangs mit einer Holzkonstruktion überdacht und die Beschickung erfolgte mittels Haspel und Winde. Später wurde für eine einfachere Beschickung eine hölzerne Rampe errichtet. Die Brennleistung betrug ca. 20 t pro Tag. Sein heutiges Aussehen erhielt der Ofen 1817 durch die sechseckige steinerne Hülle zum besseren Schutz gegen Witterungsunbilden.
Dieser Ofen war bis 1871 in Betrieb.
Rumfordofen von 1804 in Rüdersdorf Rumfordofen von 1804 in Rüdersdorf, dahinter ist ein zweiter Rumfordofen von 1816, April 2000
   
Aufbauend auf die Erfahrungen mit dem Versuchsofen von 1802 und dem fünfschürigen Kalkofen von 1804 erhielt der 1816 gebaute Rumfordofen sofort ein äußeres Gewölbe zum Schutz der Feuerstellen und Kalkzüge vor Witterungsunbilden. Der Bau des Ofens erfolgte direkt neben dem Ofen von 1804. Für die Beschickung wurde eine überdachte steinerne Brücke gebaut, in der sich gleich noch die Wohnungen für die Kalkbrenner befanden. In diesem Zusammenhang erhält der Ofen von 1804 die Zirkelbogenbrücke zur einfacheren Beschickung mit Kalk. Rumfordofen von 1816 mit Wohnungen in der Besschickungsbrücke Rumfordofen von 1816 in Rüderdorf mit Beschickungsbrücke, April 2000
 
Seit 1992 bemüht sich ein Förderverein erfolgreich um die Erhaltung der alten Kalköfen und der anderen historischen Objekten der Kalkgewinnung. Das Ergebnis kann heute jeder im Museumspark Rüdersdorf besichtigen. Auch Jeeptouren und Mountenbiketouren in den großen Rüdersdorfer Kalkbruch sind im Angebot.
 
Literatur:
Eva Köhler
Rüdersdorf - Die Kalkhauptstadt am Rande Berlins, Berlin 1994, ISBN: 3-87776-730-6
 
 
 
Letzte Aktualisierung: 03.03.2005
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